Interview: CLUESO

Interview: CLUESO

Der Sänger Cluso kommt aus der ehemaligen DDR. Als Neunjähriger erlebte er die Wiedervereinigung. Am 9.Novembr ist es zwanzig Jahre her, dass die Berliner Mauer fiel. Vor seinem Konzert auf dem Tollwood-Fest hat die KINDERZEITUNG den Musiker (Album: „So sehr dabei“, Hit: „Gewinner“) getroffen, der seinen Namen von Inspektor Clouseau aus dem Pink Panther-Film gemopst hat.

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BEIM MAUERFALL WARST DU GERADE NEUN JAHRE ALT. KANNST DU DICH DARAN NOCH ERINNERN?

Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass meine Eltern sehr aufgeregt waren. Das fing ja schon vorher an. Beim Mauerfall selber war in der Schule extremes Chaos. Viele Lehrer sind gekündigt worden und
viele, die geblieben sind, sind nicht mehr richtig klargekommen, weil es ein komplett neues Schulsystem gab. Die mussten den neuen Lehrplan erst mal selber studieren und waren im Unterricht unsicher. Da haben wir dann angefangen zu malen, um uns anderweitig zu beschäftigen.

 


WAS HABT IHR ALS ERSTES GEMACHT, ALS DIE GRENZEN GEÖFFNET WURDEN?

Ich kann mich erinnern, dass wir in Richtung Kassel gefahren sind. In Eschwege (BRD) waren wir dann im Supermarkt und sind völlig durchgedreht. Ich hab mir zehn Dosen Ananas gekauft und hab die gefressen. Seitdem esse ich keine Ananas mehr. Die ganzen Gerüche waren für meinen Bruder und mich neu. Das war eine richtige Flut. Aber es ist echt Wahnsinn, wie schnell man sich daran gewöhnen kann.

 



WAS HAT SICH DURCH DIE WIEDERVEREINIGUNG IN DEINEM LEBEN VERÄNDERT?

Ich hab einen Haufen Leute kennengelernt, die ich sonst wahrscheinlich nicht kennen würde. Ich bin damals auch von der Schule geflogen und danach aus der Friseurlehre. Ich hab immer meinen Mund aufgemacht. Mit meiner Art hätte ich zu DDR-Zeiten wahrscheinlich viel mehr Probleme gekriegt. Viele sind nach der Wende arbeitslos geworden, auch meine Mutter war teilarbeitslos. Die Eltern waren also sehr mit sich beschäftigt. Ich glaube, dass mein Jahrgang ein besonders kreativer geworden ist, weil wir uns früh um uns selber kümmern mussten.

 

 

WAS WOLLTEST DU DAMALS WERDEN?

Ich wurde später mal angerufen von einer Freundin, die ein Poesiealbum hatte. Da hatte ich schon als Junge reingeschrieben, dass ich Musiker werden wollte.

FINDEST DU, DASS SICH DAS LEBEN IN OST- UND WESTDEUTSCHLAND HEUTE NOCH UNTERSCHEIDET?

Die Leute im Osten sind schon anders drauf. Man ist vor allem in der Öffentlichkeit zurückhaltender. Es gibt zum Beispiel nach wie vor nur wenige Cafés mit Stühlen draußen. Das gab es in der DDR ganz selten, da man Angst hatte, dass man bespitzelt wird. Das ist den Leuten geblieben. Und die Menschen telefonieren zum Beispiel nicht so laut in der Öffentlichkeit am Handy, wie Menschen im Westen das tun.

 

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MÖCHTEST DU MIT DEINER MUSIK ETWAS VERÄNDERN?

Ich denke nicht, dass der Einzelne etwas verändern kann. Nur gemeinsam mit anderen kann man das. Ich habe auch nicht eine Botschaft, die ich der Welt mitteilen möchte. Eher viele verschiedene, die ich dann auch in meine Lieder packe.

 

TEXT: KINDERREDAKTION
FOTOS: JULIA ROTTER

3 Kommentare für Interview: CLUESO

  1. lilli sagt:

    voll cool!
    lol
    der typ is total toll!

  2. song sagt:

    er ist so lieblich…T_T

  3. Jule sagt:

    achja…wenn ich mal groß bin heirate ich ihn…*schmacht*

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