Interview mit Flugbegleiterin Rike

 

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In kaum einem anderen Beruf bereist man so viele Länder wie als FlugbegleiterIn.
Im Interview verriet uns die 28-jährige Münchnerin Rike noch weitere Gründe, warum sie so gerne abhebt …

 

 

Wie lange bist du schon Flugbegleiterin?
Seit über sechs Jahren. Gerade bin ich mit meinem 2. Kind in Elternzeit. Nach einem Jahr will ich wieder mit Teilzeit anfangen. Das wäre im Monat dann ungefähr eine Lang- und eine Kurzstrecke. Im Sommer fliegt man meist mehr.


Wie wird man eigentlich FlugbegleiterIn?
Ach, das ist eigentlich ganz einfach. Damals, als ich angefangen habe, hat man sich beworben, hat im Internet ein paar Fragen bekommen zu Service, Englisch usw., dann hat man ein Telefoninterview gemacht, dann wurde man auf die große Basis eingeladen, dort gab es einen Englischtest, Psychologengespräche und Gruppenarbeiten. Wenn man Glück hatte, hatte man dann am nächsten Tag schon die Zusage. Dann bekommt man einen Lehrgang von mehreren Wochen (Ich glaube, jetzt ist das alles ein bisschen einfacher). Dann hat man zwei Einweisungsflüge und dann hat man ein halbes Jahr Probezeit und dann geht’s los. Eine bestimmte Ausbildung braucht man nicht. Am Liebsten nehmen sie jemanden mit einer Ausbildung im Hotel- oder Servicebereich, Krankenschwestern und so. Weil man ist dort oben einfach die „Mutti für alles“. Man ist Gastgeber, Krankenschwester, Erzieherin für kleine Kinder, Feuerwehr im Falle eines Falles. Mittlerweile machen das auch viele nach dem Abitur, die einfach mal so für 1-2 Jahre fliegen wollen.
Als FlugbegleiterIn kommt man ja ziemlich rum – in wie vielen Ländern warst du schon?
Rein beruflich habe ich so um die 30 besucht: Kanada, USA, Brasilien, Südafrika, Europa komplett, Japan, Südkorea, China und einige mehr. Praktisch: Man kann sich schon ein bisschen aussuchen, wo man gerne hinfliegen möchte.


Wie viele Länder hast du schon besucht?
Also mit dem Arbeitgeber habe ich so um die 30 besucht. Viel Nordamerika, Kanada, USA, Brasilien, Südafrika, komplett Europa, Japan, Südkorea, China, usw. Australien leider nicht. Man kann sich schon ein bisschen aussuchen, wo man gerne hinfliegen möchte, man darf Wünsche äußern, das heißt dann „Request“ und dann bekommt man das auch oft. Da gibt’s manche Ziele, die sind so „Goodies“. Das sind oft große Städte, die Lieblingsdestinationen.


Gibt es auch Länder, wo es schwierig wird mit dem Visum?
Nein, für uns ist das eigentlich kein Problem, unser Visum ist meistens die Uniform. Für die USA und China haben wir aber schon ein Visum. Dafür gibt es aber manchmal auch die Regel von Ländern, dass wir nur in Uniform einreisen dürfen.


Was war dein längster Flug?
Das waren 12,5 Stunden nach São Paulo in Brasilien. Da sind wir dann aber auch nicht dauerhaft im Dienst. Also wenn es losgeht in München, machen wir erst mal den Service, es gibt Essen und Trinken und dann machen wir schon mal alles fertig für den nächsten Service. Dann geht der eine Teil der Crew nach unten und darf Schlafen, die anderen haben Wachzeit, später ist es andersrum. Wir haben da nämlich Betten. Das ist im unteren Teil des Flugzeugs, in den neuen Flugzeugen auch im oberen Bereich, mit denen bin ich nur leider selber noch nicht geflogen.


Gab‘s denn schon mal anstrengende Passagiere?
Immer. Es gibt immer einen, der Ärger macht. Also, jeder Mensch ist anders und wir sind da eigentlich auch gut geschult, mit ein paar Tricks die auf unsere Seite zu holen. Aber es kann natürlich auch mal brenzlig werden. Wenn die zum Beispiel beim Oktoberfest aggressiv und betrunken sind, da haben wir die dann auch schon mal ausgeladen, da hat der Kapitän gesagt, geh dich erst mal ausnüchtern, dann fliegst du mit dem nächsten Flieger mit. Es muss halt eine sichere Flugreise gewährleistet sein und da kann das der Kapitän so entscheiden.


Hattest du schon einmal eine Notsituation?
Ja, ich hatte zum Beispiel schon einige Durchstarter in der Luft. Das ist, wenn du anfliegst und kurz vor der Landung kommt ein Wind auf oder sowas, was es dann gefährlich machen würde, zu landen. Dann starten sie nochmal, geben wieder Gas und man startet sozusagen in der Luft wieder nach oben, so richtig mit „Vollschmackes“. Das spürst du dann auch deutlich. Da drückt es dich richtig in die Sitze und die Motoren heulen laut auf. Bei uns heißt das dann die „schieben die Gase wieder rein“. Das ist aber überhaupt nicht schlimm, die vorne im Cockpit können das. Das ist halt so. Ich sage immer „das Wetter macht uns die Fliegerei, nicht wir machen sie uns.“
Und dann hatte ich auch schon zwei Startabbrüche, das passiert zum Beispiel wenn man einen Vogelschlag hat. Also wenn ein Vogel ins Treibwerk kommt, oder an die Scheibe donnert und man ist sich nicht sicher, ob das irgendwelche Geräte getroffen hat, dann muss man eben wieder zurückfahren. Einen Absturz oder so etwas hatte ich noch nicht.
In der Luft gab es schon öfter, dass ein Passagier heimlich geraucht hat und dann der Rauchmelder losging, oder eine Klappe fällt irgendwo runter, auch öfter mal ein Fehlalarm. Aber dann sind wir so gut geschult, wir sind sowieso immer hellwach, wenn wir da oben sind. Auf Gerüche passt man viel besser auf, man ist immer präsent.


Warum wolltest du eigentlich Flugbegleiterin werden?
Also ich habe da eigentlich mein Hobby zum Beruf gemacht. Seitdem ich vier bin, als ich das erste Mal geflogen bin, war ich total fasziniert von dem Flieger, von dem Leben in der Fliegerei, die Technik und alles zusammen hat dann für mich ergeben, dass ich das gerne beruflich machen würde. Es ist bei mir auch so, ich stehe in der Früh auf und denke mir, „ich gehe heute Fliegen“, nicht „ich gehe heute arbeiten“, weil ich immer noch gerne mache. Es ist eine Leidenschaft. Deswegen will ich auch als Mama unbedingt wieder fliegen gehen.


Willst du sonst noch was sagen?
Was viele nicht wissen, ist, dass wir einmal im Jahr eine Prüfung machen, zu unserem speziellen Flieger und dann gibt es auch noch so eine Art Übungsgelände, das heißt dann „Attrappe“, da spielen wir ganz viele Szenarien durch. Zum Beispiel, wenn wir eine gefährliche Flüssigkeit finden, bei der man nicht weiß, was es ist, wenn es ganz arg riecht oder so, oder das Feuerlöschen. Das üben wir dann, das muss alles sitzen, auch die Kommandos, die man im Notfall ruft. Das ist wie ein Probefeueralarm, das wird dann einmal alles geübt.


 

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