8. KINDER-KRIMIPREIS 2010 DIESE GESCHICHTE GEWANN DEN 1. PREIS IN DER NEUN- BIS ZEHNJÄHRIGEN.
Flugstaffel 11 in Not
Herrliches Wetter heute“, meint Jack, Kommandant der Fliegerstaffel, die heute ihren längeren Flug ins Winterquartier starten sollen. „Wir sind bald so weit Sir, nach dem Frühstück sind alle Flieger gut aufgetankt. Wir können mit den letzten Vorbereitungen in diesem Jahr beginnen“ erklärt Unteroffizier Jenny. „Gut, abtreten“, entgegnet Jack und begibt sich zur Inspektion zu seiner Fliegerstaffel. „Tolles Geschwader“, denkt er, „Die haben sich nach so vielen Einsätzen eine Ruhepause verdient“. Jetzt wendet er sich seiner Mannschaft zu und spricht: „Leute, heute ist unser großer Tag. Wir fliegen heute in unser Winterquartier. Kontrolliert nochmals alle eure Fahrgestelle, Flügel, Landeklappen und alles andere Wichtige. Es wird ein langer anstrengender Flug. Wir werden England verlassen und direkt über den Kanal das Festland erreichen. Von dort aus fliegen wir in Richtung Süden geradewegs in unser Winterquartier. Noch Fragen? „Sir, bei allem Respekt, fliegen wir auch über feindliches Gebiet?“ fragt Flugoffizier Joe. „Ich fürchte, ja“, entgegnet Jack, „Aber egal, da müssen wir durch“. Fliegerstaffel 111 startet um 9.07 Uhr zu ihrem vorerst letzten Flug in Richtung Süden, ins Winterquartier. Der Flug verläuft in den nächsten Stunden ruhig, ohne Vorkommnisse. Das Wetter ist klar mit minimaler Wolkenbildung. Die Sichtverhältnisse sind ausgezeichnet. Temperatur beträgt in der Flughöhe um die 12° grad. Sie überfliegen den Kanal und befinden sich jetzt über den Niederlanden. Die Fluginformation ändert sich wie vorgeschrieben stets nach einer Stunde.
Augenblicklich befindet sich Flugoffizier Jim ganz vorne von der Flugstaffel, als er plötzlich unter schweren Flaggbeschuss gerät. Ein Schuss streift fast seinen rechten Flügel. In letzter Sekunde kann er noch abdrehen. Sofort unterrichtet er den Kommandant der Flugstaffel über den Angriff. „Achtung! Achtung! Melde schweren Beschuss von rechts“. Hier spricht Jack, der Kommandant. Alle Mann abdrehen. Ausweichmanöver einleiten! Wir werden beschossen“, befiehlt der Kommandant. Die Fliegerstaffel befindet sich in diesem Moment in höchster Gefahr. Ein Trommelfeuer von Geschossen fliegen den Fliegern links und rechts nur so um die Ohren. Die Fluginformation bricht völlig auseinander. Jeder Flieger versucht mit waghalsigen Ausweichmanövern nicht abgeschossen zu werden.
Pass auf John! Dich hat einer von hinten im Visier. Zieh hoch!“, brüllt Jenny. „Das schaffe ich nicht mehr. Zu spät. Jetzt ist es aus mit mir!“ schreit John. Ein Schuss trifft ihn am linken Flügel. „May day, may day! Ich bin getroffen. Versuche noch Notzulanden“, informiert er die anderen. Dann kippt er links weg, taumelt und sinkt im Sturzflug zu Boden. „Wir haben John verloren. Wie entsetzlich!“ keucht Jenny. Jetzt ergreift Kommandant Jack das Wort: „An alle! Der feindliche Beschuss wird immer stärker. Jeder ist nun auf sich allein gestellt. Wir treffen uns am verabredeten Ort. Das war’s“. Im Geschwader ist daraufhin nichts mehr zu hören. Ohrenbetäubend sind dagegen die Schüsse, die sich weiterhin gegen die Flugstaffel richten. Der Himmel hat sich durch das Schießpulver verdunkelt. Jetzt ist auch nichts mehr zu erkennen. Schließlich verstummen auch die letzten Schüsse. Eine Grabesstille macht sich am Himmel breit.
Süditalien, ca. 23 km von Rom entfernt. „Wir haben die Truppe gefunden. Sie haben sich wie immer in ihrem Winterquartier eingefunden“, erklärt Herr Willibald Wohlgemut. „Nun, dann wollen wir den Wunderfliegern mal einen Besuch abstatten“, bemerkt Inspektor Ingo Inter von Esse. Kurzer Zeit später erreichen die Männer das Fluggeschwader. Kommandant Jack präsentiert stolz seine Fliegermannschaft. „Na Jungs, ihr könnt stolz auf euch sein. Ich kenne niemanden euresgleichen, der jemals einen solchen Angriff überlebt hätte. Ihr seit wahre Flugkünstler“, lobt der Inspektor die Flugtruppe. „Wir haben leider einen Vogel verloren. Der arme John war einer unserer besten“, berichtet Jack. Nun schaltet sich Herr Wohlgemut ein: „Herr Inspektor, sehen sie, was ich sehe?“ „Oh ja, ich sehe es“, entgegnet Herr Inter von Esse, „einfach unglaublich und wenn ich so nachzähle fehlt nichts“. Jetzt holt Herr Wohlgemut einen mittelgroßen Holzbehälter vom Rücksitz des Autos und stellt ihn vor der Flugstaffel mit etwas Abstand ab. Neugierige Blicke treffen ihn. Dann öffnet er den Behälter. „Da ist ja John“, ruft Jenny und flattert der Wildgans entgegen, die mit einem verbundenen Flügel vorsichtig aus dem Behälter gehoben wird. „Eine unglaubliche Geschichte Herr Wohlgemut. Diese Wildgans wurde doch tatsächlich an der Niederländischen Grenze gefunden. Ein Schuss hatte ihren Flügel getroffen. Aber stellen sie sich vor in ihrem Vogelring fanden wireinen eingeschweißten Diamanten, der aus der neulich geklauten Diamantensammlung der Königin von England stammt. Alle Wildgänse hier haben ganz sicher ebenfalls einen Diamanten in ihrem Vogelring. Die Diebe haben mithilfe der Vögel versucht, das Diebesgut außer Landes zu schaffen. Danach wollten sie die Vögel einfach abknallen und die Steine einsammeln“, klärt Inspektor Inter von Esse auf. „Aber wie ist es der Flugtruppe gelungen ohne größere Verluste zu ihrem Winterquartier zu gelangen?“ fragt Herr Wohlgemut. „Es war das gute Wetter, das den Tieren das Leben rettete. Durch den strahlenden Sonnenschein an diesem Tag, wurden die Diebe durch die Diamanten in den Vogelringen, während sie zielten, geblendet und konnten so keine Treffer landen. Außer bei unserem Freund hier, ohne den wir ihnen nicht auf die Schliche gekommen wären. In den nächsten Tagen, nachdem sich die Wildgänse ausgeruht haben, werden wir die Vogelringe austauschen. Die Diebe kriegen wir auch noch. Hauptsache die Diamanten sind gesichert“, stellt Inter von Esse fest. „Melde Sir, Flugstaffel 111 ist wieder vollständig“, bemerkt Jenny und flattert aufgeregt um John herum .


