Interview mit Verena Dietl

Die MÜK zu Gast im Rathaus – und das mitten im November im „Wellenbrecher-Lockdown“, in dem die meisten Treffen verschoben werden oder nur online stattfinden. Aber Münchens neuer 3. Bürgermeisterin, Verena Dietl, liegt das Thema Kinder und Jugendliche offenbar sehr am Herzen – und empfing vier von uns, natürlich mit Abstand und Masken, zum Interview.

 

 

MÜK: Hallo, Frau Dietl. Toll, dass wir Sie trotz schwieriger Umstände besuchen dürfen! Dann fangen wir doch gleich mal an. Können Sie uns kurz erzählen, wo Sie sich als Bürgermeisterin speziell für Kinder und Jugendliche einsetzen?

 

Verena Dietl: Wir sind ja hier im Rathaus der Oberbürgermeister und zwei Bürgermeisterinnen und ich bin ja die Bürgermeisterin, die wirklich zuständig ist für die Kinder und Jugendlichen. Und alles was die Kinder und Jugendlichen betrifft, bin ich erstmal die Ansprechpartnerin. Mir ist es immer wichtig – und deshalb freu ich mich auch, dass der Termin heute wirklich klappt – direkt Rückmeldung von Kindern zu bekommen, was ihnen wichtig ist. Das war schon vorher so, ich war ja zwölf Jahre Stadträtin und da haben wir viele Termine gehabt im Rathaus, wo man sich ausgetauscht hat. Und da fand ich es und finde es auch jetzt wichtig – und deshalb geh ich auch regelmäßig zum Kinder- und Jugendforum –, in engem Austausch mit Kindern und Jugendlichen zu sein. Weil ihr seid diejenigen, die ihr vor Ort seid und wisst, was los ist. Und ich finde es auch wichtig, dass ihr euch einbringen könnt. Politik ist nicht nur für die Erwachsenen, sondern sie soll auch für Kinder und Jugendliche da sein. Und hier sehe ich mich als Ansprechpartnerin für alle Kinder und Jugendliche, die hier in München wohnen.

 

Auf welche Themen legen Sie da besonders Wert?

 

Dietl: Zum Beispiel dass Kinder und Jugendliche genug Platz haben hier in dieser Stadt. Dass man nicht alles zubaut, sondern dass man das auch mitdenkt, wo können Kinder und Jugendliche sich treffen. Zum einen freilich in Einrichtungen und zum anderen aber auch auf Freiflächen. Und da muss man zusehen: Gibt es genug Spielplätze für alle Altersgruppen? Und: Gibt es einfach genug Angebote für alle in dieser Stadt …

 

Ella: Jetzt hab ich mal eine Frage zum Thema Umwelt: Was will die Stadt machen, dass es hier grüner wird? Und was ist mit dem Müll?

 

Dietl: Zum einen haben wir hier ja eine Stadtregierung von den Grünen und der SPD. Das heißt: Wir stehen eh schon für einen sozialen und ökologischen Kurs. Das heißt, wir wollen sehr viel für den Klimaschutz ausgeben. Wir werden da in Zukunft noch mehr Förderprogramme auflegen, wo noch mehr Geld reingesteckt. Und wir wollen gleichzeitig auch, dass die Stadt grün bleibt. Wenn man vergleicht, dann ist es schon so, dass die Stadt München eine der grünsten Städte ist, unter Deutschland zehn grünsten Städten ist München mit dabei. Und das soll so bleiben. Wir schauen daher, dass wir bei allen Bauvorhaben, und Wohnungen brauchen wir hier ja auch dringend, grüne Infrastruktur mit dabei haben. Es gibt zum Beispiel auch eine Grünanlagensatzung hier, dass immer für alle Menschen, die hier leben, auch genug Grün zur Verfügung steht.

In meinem Aufgabenbereich liegt auch die Müllabfuhr. Und da schauen wir schon, dass der Müll gut getrennt wird. Wir haben auch, das macht ein privater Anbieter, genug Wertstoffinseln, wo man auch mal zusätzlich trennen kann. Und natürlich ist es uns ein Anliegen, dass es auch auf den Straßen sauber ist. Und hier schauen wir, dass auch die Müllbehälter und alles andere regelmäßig geleert wird. Grad an den Stellen, wo immer viel Müll auftaucht, geben wir dann auch immer wieder Aufträge ans Baureferat, mehr Müllbehälter aufzustellen oder diese zu leeren.

 

Lisa: Wie wollen Sie die Stadt für Kinder sicherer machen? Also zum Beispiel im Verkehr oder bei der Beleuchtung an Spielplätzen …

 

Dietl: Ich kann das gut nachvollziehen und ich find’s einen guten Vorschlag. Ich bin ja auch für den Sport zuständig und da stellen wir oft das gleiche Interesse fest, dass man im Dunkeln eben noch draußen sein kann. Da können wir also gern mal gemeinsam schauen, wo es vielleicht Möglichkeiten gibt, dass ein Spielplatz abends noch beleuchtet wird, damit ihr da im Winter noch länger spielen könnt. Generell zum Thema Sicherheit: Ich möchte natürlich, dass sich Kinder möglichst sicher in der Stadt fühlen. Und auch wohl fühlen. Deswegen ist es auch wichtig, dass sie ihre Anliegen einbringen. In meiner vorherigen Station – ich bin ja schon seit 20 Jahren politisch aktiv – war ich auch schon auf ganz vielen Ortsterminen, wo wir uns die Situation vor Ort angeschaut haben, um das besser zu lösen. Gerade was Radwege und Schulwege betrifft. Es sind ja auch immer wieder Beiträge aus dem Kinder- und Jugendforum, wo Ideen von den Kindern entstehen, weil die kennen ja den Platz und wissen, was los ist. Und dann sehen wir zu, dass wir das klären können und eine gute Lösung finden.

 

Jonas: Werden bei Corona-Maßnahmen Kinder und Jugendliche speziell berücksichtigt?

 

Wir haben einen Krisenstab zu Corona eingerichtet und das ist die Situation für Kinder und Jugendliche jedes Mal Thema. Vor allem fragen wir: Was ist grad an den Schulen los, wo müssen wir noch unterstützen, was kann man noch machen? Dann bin ich Vorsitzende vom Kinder- und Jugendhilfe-Ausschuss, da hatten wir das Thema sehr lange und sehr ausführlich. Da ging es auch viel darum: Wie geht es den Kindern eigentlich gerade, was ist eigentlich im letzten halben Jahr los gewesen. Für viele ist das ja auch richtig schlimm, immer zuhause zu sein, sich nicht mit seinen Freunden treffen zu können. Also: Wo können da vielleicht auch Kinder- du Jugendhilfeeinrichtungen unterstützen … viele Jugendfreizeitstätten machen zum Beispiel Onlineangebote, wenngleich es natürlich immer schöner ist, Menschen live zu sehen.

 

Jakob: Und wie sieht es mit Veranstaltungen aus, zum Beispiel auch mit Fasching und so?

 

Dietl: Ich kann einfach noch nichts sagen, weil das ändert sich bei uns auch wöchentlich, je nachdem wie die Zahlen mit den Neu-Infizierten sind. Die schauen wir immer an und entscheiden dann, was wir machen. Wir haben jetzt vor zwei Wochen die Christkindlmärkte abgesagt, genauso wie das große Faschingstreiben. Und eigentlich auch alle anderen großen Veranstaltungen, die sonst stattfinden …

 

Lisa: Wollen Sie vielleicht an Weihnachten nicht so viele Einschränkungen machen? Damit halt die Leute sich mit der Familie treffen können …

 

Dietl: Wir sind jetzt eineinhalb Monate vor Weihnachten und ich würd natürlich jedem wünschen, dass er mit seiner Familie Weihnachten feiern kann – was gibt es Schöneres als dass man mit seinen Lieben einfach zusammen ist? – aber wir können derzeit einfach überhaupt keine Auskunft geben …Wir haben ja jetzt den „Lockdown light“ und versucht, das mit Maßnahmen einzugrenzen, und trotzdem sind die Zahlen steigend. Wenn die Zahlen wieder nach unten gehen, kann man da sicher nochmal drüber diskutieren … Die Stadt München setzt ja im Übrigen nur um, vorgegeben werden die Maßnahmen ja vom Bund und insbesondere vom Land Bayern. Der Ministerpräsident Söder macht Ansagen und wir setzen um. Also in welchem Maß wir Weihnachten feiern, entscheidet im weitesten Sinne der Freistaat und nicht wir hier im Rathaus …

 

Ella: Wie hoch sehen Sie die Chancen, dass jetzt die Schulen geschlossen werden?

 

Dietl: Auch hier kann ich generell keine Zusage machen, wir müssen die aktuelle Situation immer wieder neu bewerten. Wir als Stadt haben aber gesagt, dass wir die Kinder so lang wie möglich in den Schulen behalten, das ist uns auch wirklich wichtig. Ich persönlich fände es gut, möglichst lang in die Schule gehen zu können – auch aufgrund der Erfahrungen aus dem ersten Lockdown. Nicht jeder hat die technische Ausstattung zuhause und am Homeschooling teilnehmen kann, die Eltern kriegen nicht immer automatisch frei, nur weil die Kinder zuhause sind, das sind alles Themen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen …

 

Jonas: Sie haben ja eine offen Kinder- und Jugendsprechstunde angekündigt. Hat die schon mal stattgefunden?

 

Dietl: Nein, wegen Corona konnte die leider bisher noch nicht stattfinden. Wenn es soweit ist, werden wir den ersten Termin bekanntgeben, auch in der MÜK. Auf jeden Fall kann jeder kommen, der möchte, und sein Anliegen vorbringen. Mir ist einfach wichtig, dass Kinder mitbekommen, wie demokratische und politische Prozesse ablaufen. Und dass sie sehen, dass wir Politiker auch ganz normale Menschen sind. Und was mir am wichtigsten ist: Dass die Anliegen von Kindern auch wirklich ankommen und dadurch was entsteht. Und dass sie merken: Auch Kinder haben eine Stimme in unserer Gesellschaft.

 

Jonas: Geht es da dann mehr um persönliche Sachen?

 

Dietl: Ich bin da offen. Wenn jemand sagt, er möchte seine persönliche Situation schildern, zum Beispiel, wie geht es ihm oder ihr jetzt so mit Corona, höre ich mir das gerne an.

 

Lisa: Warum ist der Verkehr nicht für Kinder kostenlos?

 

Dietl: Es gibt ja die Kostenfreiheit für den Weg zur Schule und es gibt hier Ideen, das noch auszuweiten. Hängt aber auch mit dem Staat Bayern zusammen, der das ja auch mitfinanziert. Gut zu wissen: Es gibt ja jetzt neu das 365-Euro-Ticket und das versuchen wir, auch nochmal zu erweitern, dass alle Menschen davon profitieren. Aber wir als Kommune können das gar nicht alleine alles bezahlen. Aber eigentlich wäre es uns wichtig, dass zumindest schon mal wirklich alle Schülerinnen und Schüler kostenlos in die Schule kommen können …

 

Jakob: Wo können Kinder und Jugendliche Hilfe bekommen?

 

Dietl: Erste Anlaufstelle sollte schon immer die Freizeitstätte sein – da haben wir ja in allen Stadtvierteln mehrere, insgesamt über 99 . Da kann man also überall auch hingehen und nachfragen und sich informieren Dann gibt es natürlich Beratungsstellen, wo man sich hinwenden kann, wenn man ein Problem hat. Da gibt es schon einiges, aber wenn die Meinung ist, es gibt zu wenig, dann immer gerne auch sich melden …

 

Ella: Was glauben Sie, warum sich nicht mehr Politiker für junge Leute einsetzen?

 

Dietl: Gute Frage! Vielleicht denken sie, dass, nur weil Kinder noch nicht wählen dürfen, ihre Stimme nicht so wichtig ist. Ich seh das entschieden anders. Ihr seid unsere Zukunft und wir müssen auf euch hören. Und ich finde, dass von euch Kindern manchmal richtig gute Ideen eingebracht werden.

 

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben?

 

Dietl: Ihr könnt jederzeit wieder kommen.

 

Lisa: Dann kommen wir gleich nächste Woche!

 

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